Båstnäs: Autofriedhof

Das Zentrum von Båstnäs: der Autofriedhof rund um die alte Werkstatt

Båstnäs, Värmland. Wir haben diesen seltsamen Ort rein zufällig auf der Durchreise entdeckt. Eigentlich wollten wir in der Gegend um Arvika und Töcksfors auf einem Campingplatz übernachten. Doch wir waren zu wählerisch und zögerten die Entscheidung zu lange hinaus. Schließlich bogen wir kurz vor der norwegischen Grenze auf eine Landstraße nach Süden ab. Abseits der E18 hofften wir auf einen idyllischen Fleck, um das Zelt aufzuschlagen – unser Plan B. Wir gelangten schon nach wenigen Kilometern in tiefe Wälder. Unsere Landkarte kündigte einige Dörfer an, aber es zeigte sich, dass eines kleiner war als das andere.

Endstation Båstnäs – wo die Wege am Autofriedhof enden

Hinter Väng erklomm die Straße einen Höhenzug und gab in östliche Richtung ab und zu Fernblicke auf den Stora Le frei. So ließen wir uns darauf ein, die Richtung beizubehalten, anstatt zu wenden. Irgendwann erreichten wir eine Lichtung mit vereinzelten Häusern. Es schien, als hätten sich ihre Bewohner nicht dazu entschließen können, eine Siedlung zu bilden. Der Wald dominierte. Die Grundstücke bildeten keinen Zusammenhang. Plötzlich eröffnete sich linkerhand der Blick in eine vergangene Welt – oder vielmehr auf einen vergessenen Parkplatz vergessener Autos. Limousinen, Coupés, Cabrios aus den 1950er bis 1970er Jahren reihten sich auf. Dazwischen dichter Baumbestand, Stämme und Äste, die durch die Karosserien wuchsen. Und ein paar Meter danach stießen wir beinahe auf eine Wegbegrenzung mit dem Schild „Här slutar allmän väg!“ – „Hier endet die öffentliche Straße“.

Båstnäs – Goldgräberdorf für Fahrzeugteilehändler

So habe ich Båstnäs in Erinnerung und ich hätte diesen unwirklichen Ort fast vergessen, wäre ich nicht vor kurzem auf einen Artikel gestoßen, der sich mit dem Autofriedhof am Rande Schwedens befasst. (Eigentlich dachte ich, dass sich kein Tourist dorthin verirren könnte.) Ard op de Weegh hat ihn im Frühsommer 2012 aufgesucht und für die Zeitschrift „Motor Klassik“ erkundet.

Båstnäs (Schweden): Autofriedhof

Ein dichter Wald mit zahllosen Autowracks. Båstnäs im Sommer 2002

Demnach entstand die beeindruckende Schrottansammlung durch eine Mechanikerfamilie, die in der Nachkriegszeit Autoteile nach Norwegen verkaufte. Man umging Einfuhrverbote und Importzölle für Pkws, indem man sie auf schwedischer Seite auseinander baute, dann in Einzelteilen über die Grenze brachte und in Norwegen wieder zusammensetzte. Ein cleveres Geschäftskonzept, das sich bis 1986 lohnte. Damals wurde die Werkstatt geschlossen. Dennoch stellten die Leute weiterhin Autowracks auf ihrem Gelände ab. Etwa eintausend sollen es sein – eine grobe Schätzung.

Wer sich detailliert über die Geschichte des Autofriedhofs von Båstnäs informieren möchte, kann dies mithilfe von Alexander Pohles Spurensuche auf der „Sugar Road“ an Norwegens Grenze tun. Seine 72-seitige Dokumentation ist im Online-Buchhandel erhältlich. Schöne Bilder vom „Wald der toten Autos“ hat Christian Bartrow in seinem Blog nordnordnord.de ins Netz gestellt.

Wir haben Båstnäs übrigens über die kleine Straße nach Norwegen verlassen und dann auf einem Campingplatz am Rande des Rødenessjøen übernachtet. – Habt Ihr Kommentare und Anregungen? Dann freue ich mich auf Eure Postings! Beachte auch meine weiteren Beiträge zu besonderen Orten in Schweden:

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