Schweden: Mautstation

Öresundbrücke und Svinesundbrücke waren bis zur Einführung der City-Maut die einzigen mautpflichtigen Straßen in Schweden

Für Selbstfahrer ist Schweden seit jeher ein interessantes Reiseland: gut ausgebaute Straßen, keine Vignettenpflicht und nirgends Staus – das verspricht Fahrspaß und Abwechslung vom Alltag. Damit dies auch über die nächsten Jahrzehnte hinweg so bleibt, gibt es seit 2007 kleine Ausnahmen, was die Mautfreiheit betrifft. Damals führte die Stadt Stockholm erstmals eine Pflichtabgabe für Autofahrer ein, die die innerstädtischen Straßen nutzen. 2013 zog Göteborg mit einer eigenen City-Maut nach. In weiteren Städten ist das Bezahlmodell bisher kein Thema. Erfahrene Schwedenurlauber wissen allerdings, dass es im Land der Elche und Volvos zwei weitere Verkehrswege gibt, für die eine Maut entrichtet werden muss: zum einen die Öresundbrücke von Kopenhagen nach Malmö, zum anderen die beiden Brücken über den Svinesund, an der norwegischen Grenze.

Maut sparend nach Schweden: Kiel-Göteborg

City-Maut in Stockholm

Die Einführung der City-Maut für das Stockholmer Innenstadtgebiet hatte ökologische und finanzielle Gründe. Es sollte ein zusätzlicher Anreiz geschaffen werden, den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen und das Auto am Stadtrand abzustellen, um die Straßen rund um die Viertel Norrmalm, Gamla Stan, Södermalm zu entlasten. Die Maut heißt eigentlich „Trängelseskatt“ und wird über Bezahlstationen an 18 Zufahrtswegen erhoben. Die Stationen bestehen aus Fotosensoren, die über den Fahrbahnen angebracht sind und die Nummernschilder aller Fahrzeuge fotografieren. Die Maut wird den Fahrzeughaltern in Rechnung gestellt und somit nachträglich erhoben. Der Verkehrsfluss bleibt unbeeinträchtigt. Es gibt keine störenden Staus an stationären Kassen wie man sie aus Frankreich oder Italien kennt.

City-Maut in Göteborg

Seit 2013 gibt es dasselbe Maut-System auch in Göteborg, Schwedens zweitgrößter Stadt. Hier ist das Netz an Bezahlstationen sogar komplexer und die Möglichkeiten für Durchreisende, die Maut zu umgehen, liegen praktisch bei Null. Man müsste schon den Großraum der Stadt umfahren, was sich auf Grund der Kilometerzahl und der verlorenen Zeit gar nicht lohnt. Im Ergebnis ist die City-Maut in Göteborg genauso einträglich wie jene in Stockholm. Das Schwedische Straßenverkehrsamt Trafikverket spricht in seinen Statistiken von rund 70 Millionen Kronen Umsatz pro Monat. Das sind umgerechnet etwa 8 Millionen Euro.

Übersicht: City-Maut in Stockholm und Göteborg

City-MautMauterhebungMautkosten
StockholmMo bis Fr, 6.30 Uhr bis 18.29 Uhr10 bis 20 Schwedische Kronen (SEK) je nach Tageszeit
GöteborgMo bis Fr, 6.30 Uhr bis 18.29 Uhr9, 16 oder 25 Schwedische Kronen (SEK) je nach Tageszeit
Schweden: mautfreie Linienfähre

Für Binnenfähren in Schweden wird keine Maut erhoben – sie sind Teil des öffentlichen Verkehrsnetzes

(Stand: April 2015) Die City-Maut wird für Einheimische wie für ausländische Fahrzeuge gleichermaßen erhoben. Deutsche Fahrzeughalter erhalten die Rechnung auf dem Postweg in ihrer Landessprache und mit den Beträgen in Euro entsprechend des aktuellen Wechselkurses zur Schwedenkrone. Wer sich nicht an die Zahlungsfristen hält, wird mit heftigen Mahngebühren bestraft.

Wo wird im übrigen Schweden Maut erhoben?

Privat finanzierte Verkehrswege gibt es innerhalb Schwedens nicht. Allerdings hat es der Staat zwei Kommunen gestattet, für lokale Großprojekte Maut zu erheben:

  1. Motala: Brücke der Reichsstraße 50 über den Motalaviken. Hier wird die Maut rund um die Uhr erhoben. Fahrzeuge werden elektronisch erfasst. Die Fahrzeughalter erhalten im Nachgang eine Rechnung per Post. 5 SEK für Pkw und Kleinbusse, 11 SEK für Lkw über 3,5 Tonnen.
  2. Sundsvall: Brücke der Europastraße 4 über die Bucht vor der Stadt. Hier wird die Maut rund um die Uhr erhoben. Fahrzeuge werden elektronisch erfasst. Die Fahrzeughalter erhalten im Nachgang eine Rechnung per Post. 9 SEK für Pkw und Kleinbusse, 20 SEK für Lkw über 3,5 Tonnen.
  3. Svinesund: alte und neue Svinesundbrücke mit Europastraße 6. Hier wird die Maut rund um die Uhr erhoben. Fahrzeuge unter 3,5 Tonnen: 20 SEK. Fahrzeuge über 3,5 Tonnen: 100 SEK. Motorräder, Mopeds u.ä. sind von der Maut befreit.

Neben Brücken bilden Fähren einen wichtigen Verkehrsweg in Schweden. Man erkennt sie an ihrer gelben Lackierung. Bei den meisten handelt es sich um Drahtseilfähren mit einem einzigen Deck für Pkws und Lkws. Sie verkehren auf größeren Binnenseen oder verbinden das schwedische Festland mit vorgelagerten Inseln. Sämtliche dieser Fähren sind kostenlos. Es gibt keine Tickets und keine Kassen. Du kannst Dich einfach in die Warteschlange stellen, auffahren, überfahren und abfahren. Beachte aber, dass die Fähren nach Gotland nicht zu diesen Binnenfähren gehören. Hier musst Du wie bei allen anderen Ostseefähren Tickets buchen – möglichst rechtzeitig, da Gotland im Sommer stark frequentiert ist.

Zum Glück ist das Thema Maut in Schweden damit erschöpft. Falls es Änderungen gibt oder weitere Mautstrecken hinzu kommen, werde ich Dich auf dem Laufenden halten und diesen Beitrag erweitern.

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Bewertung 4.8 Sterne aus 21 Meinungen

Bisher 5 Antworten.

  1. Martin sagt:

    Moin,

    vielen Dank vorab für so viele Informationen!
    Kurze Nachfrage zur CityMaut: wenn ich nun also mit einem Miet-Camper durch Stockholm fahre, muss ich tatsächlich 1,xx € Maut, plus ca. 55 € Verzuggebühr plus eine im Mietvertrag geregelte Strafe bei Eingang von Zahlungsaufforderung von 50 € bezahlen?
    Lohnt es sich für so viel Geld?
    Die viel bessere Frage: kann man die Maut auch Pre-paid bezahlen?

    Danke und beste Grüße, Martin

    • Martin sagt:

      Wer sucht, der findet auch ^^
      Auf der Homepage epass24.com kann man genau das machen, was ich gesucht habe. Zumindest kann man dort eine Bezahlart für ein bestimmtes Fahrzeug auswählen.
      Ob es dann tatsächlich funktioniert hat, kann ich dann in 8 bis 9 Wochen berichten 🙂
      P. s. Cooles Forum, weiter so!

  2. Norbert Rauhut sagt:

    Mittlerweile beträgt der Verzugszuschlag 500,00 SEK.
    Habe eine Rechnung Citymaut über 8.57 Euro erhalten und vergessen zu überweisen.Passiert halt mal.
    Die neue Rechnung 8,57 Euro plus Verzugszuschlag 52,27 Euro
    Gesamt: 60,84

    Zahlungserinnerungen kennen sie in Schweden wohl nicht.
    Reine Abzocke

    • Anke sagt:

      Hast Du bezahlt? Ich habe den Brief mit den 2.30 Euro auch zu spät gelesen und dann zwar direkt bezalt, aber nun dennoch ein Schreiben bekommen. Dass ich noch 52.27 bezahlen soll.

  3. Polarelg sagt:

    Maut Sundsvall – Das Problem sind nicht die Gebühren. Die Rechnung per Post kommt sicher – auch bei einer Querung, selbst wenn der Betrag unter einem Euro liegt. Der 2. Satz über die unpünktliche Zahlung und die dabei anfallenden 300 SEK sind das Problem, wenn man die Brücke bei der Hinreise passiert und die Beschilderung im Verkehr untergeht. Also: Brücke meiden! Vorher abfahren, Kreisverkehr und durch die Stadt fahren. Rückweg dto. kein Problem. Kein relativer Zeitverlust, noch einen Einkauf im Lidl an der alten E4 und alles ist ok. Verkehr in der Stadt hat sich deutlich reduziert. Im Übrigen hat auch das Gesundheitswesen Mahngebüren mit nichtrealisierbaren Fristen für Langzeiturlauber.

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