Uppsala Dom

Fast 119 Meter ragen die Türme des Doms von Uppsala in den Himmel

Wer über Stockholm nach Norden gelangen will oder über Schwedens größten Flughafen in Arlanda ein- oder ausreist, kommt automatisch durch die Provinz Uppland. Frei übersetzt könnte man vom „offenen Land“ sprechen, denn die Landschaft nördlich der Hauptstadt ist an vielen Stellen eine weite Ebene, unterbrochen von Landstraßen, Wäldern und verträumten Anwesen mit Herrenhäusern.

Verwöhnte Schwedenurlauber sollten keine voreiligen Schlüsse ziehen: Schon Selma Lagerlöf wies in Nils Holgerssons Geschichte darauf hin, dass Uppland von allen schwedischen Landschaften ein Stückchen abbekommen hat. Und das stimmt! An seiner Küste erstrecken sich die Ausläufer des Stockholmer Schärengartens, im Norden zieht der mächtige Dalälv einen weiten Bogen ins Land und zum Süden hin weichen Felder und Wälder der Seenlandschaft des Mälaren. Im westlichen Teil Upplands zeigen sich schließlich noch einige Hügelketten wie sie für die Region Bergslagen typisch sind.

Uppsala – Dom & weitere Sehenswürdigkeiten

Mitten in Uppland liegt die Universitätsstadt Uppsala mit ihrem imposanten Dom aus dem 13. Jahrhundert. Wenn Du Dich für das schwedische Königshaus interessierst, ist Dir vielleicht schon bekannt, dass hier über mehrere Jahrhunderte hinweg schwedische Könige gekrönt und begraben wurden. Auch Gustav I. Wasa gehörte dazu. Er liegt noch heute in der so genannten „Vasagruft“ des Doms. Dem schwedischen Naturforscher Carl von Linné wurde ebenfalls die Ehre zuteil, neben zahlreichen royalen und kirchlichen Autoritäten im Dom begraben zu werden. Linné hatte seine Grundlagenwerke zu Botanik und Zoologie in Uppsala geschrieben und wie kaum ein anderer zum Aufschwung der ansässigen Universität beigetragen. Dem nach ihm benannten botanischen Garten mit Orangerie kann man von Mai bis August besuchen, das Linnémuseum von Mai bis September.

Neben dem Dom gehört ein Besuch im Gustavianum zum Pflichtprogramm für Uppsala-Touristen: In dem früheren Lehrgebäude werden neben klassischen, ägyptischen und nordischen Antiquitäten auch eine Ausstellung zur Geschichte der Universität gezeigt. Die meisten Besucher kommen aber wegen des beeindruckenden Anatomie-Hörsaals in der Kuppel des Gebäudes. Für einen ausfüllenden Spaziergang durch die Stadt empfehle ich folgende Route:

  1. Start am Hauptbahnhof mit dem Springbrunnen Bror Hjort und dem riesigen Stellplatzareal für Fahrräder in Richtung Zentrum zur Bävernsgränd-Straße
  2. über die Bäverns gränd – mit dem Blick auf das Uppsala Schloss mit seiner rötlichen Fassade – erreichst bergab die Islandsbron über den Fyris-Fluss
  3. das restaurierte Gebäude vor dem Park ist das frühere Pumpenhaus, heute Museum für Kommunaltechnik
  4. über die Munkgata geht es hinauf zum Schloss mit dem Friedensmuseum und dem Kunstmuseum Uppsala
  5. hinter dem Schloss liegt der Schlosspark mit dem Linnéanum (Orangerie) und über den Carolinapark erreichst Du die Rückseite der imposanten Universitätsbibliothek Carolina Rediviva
  6. Uppsala Schlosspark

    Blick auf den Schlosspark Uppsala mit der Orangerie

    über die Övre Slottsgatan und die Biskopsgatan gelangst Du zum Gustavianum
  7. vom Gustavianum ist es ein Steinwurf zum Dom von Uppsala
  8. danach geht es ein Stück bergab hinunter zum Fyris-Fluss – im Domtrappkällaren kann man gut einkehren
  9. anschließend folgst du Fyristorg, vorbei am Upplandsmuseum mit seiner reichen Kunst- und Bildersammlung, bis zur Ecke St. Olofsgatan
  10. nun zurück Richtung Fyrisån, den Du mit der Järnbron überquerst – ein schöner Blick auf den Fluss und die Domspitze eröffnet sich
  11. auf der anderen Flussseite gelangst Du über die Linnégatan und die Svartbäcksgaten zu den Einkaufsstraßen Uppsalas

Uppsalas Umgebung: Fyrisån, Ekoln und Skokloster

Von Uppsala aus kannst Du mit Ausflugsbooten zu einer Fahrt über den Fyrisån bis zum Ekolnsee starten. Die M/S Kung Carl Gustaf fährt bis zum Schloss Skokloster. Die M/S Linnea hat dasselbe Ziel, hält aber auch bei Skarholmen, einer Insel mit drei Bootshäfen, Restaurant und schöner Natur. Der Ekoln ist ein Seitenarm des Mälarsee und bietet viele Badestellen. Das beliebte Ausflugsziel Sigtuna mit seinen Fachwerkhäuschen und dem Sigtuna-Museum liegt am Südende des Sees, in etwa dort, wo er in den Mälaren übergeht. Bei Skokloster handelt es sich um einen Prunkbau der schwedischen Großmachtzeit. Seine weißen Fassaden, die unzähligen Fenster und vier mächtige Ecktürme machen es zu einem beliebten Fotomotiv. Das Schloss kann besichtigt werden. Im Erdgeschoss gibt es ein Café. Auf den Wiesen unweit des Schlosses finden hin und wieder Turnierspiele bzw. Mittelalter-Events statt. Das Schloss hat mit dem Mittelalter allerdings wenig zu tun. Es wurde im 17. Jahrhundert erbaut und nicht ganz vollendet.

Uppsala: Skokloster

Schloss Skokloster gehört zu den Sehenswürdigkeiten im Umland von Uppsala

Gamla Uppsala und weitere Ziele in Uppland

Neben der Domstadt Uppsala gab es im Altertum eine Art Vorgängerstadt, Gamla Uppsala. Sie war nach ihrer Entstehung in der Eisenzeit bis 1100 ein Machtzentrum des frühmittelalterlichen Schwedens, vergleichbar mit einer Hauptstadt. Heute sind auf ihrem Gelände drei Hügelgräber, die so genannten „Königsgräber von Uppsala“, zu besichtigen, um die sich viele Mythen ranken. Welche Personen hier tatsächlich bestattet wurden, ist allerdings noch nicht wissenschaftlich geklärt. Im angrenzenden Disagården kannst Du alte Bauernhäuser und landwirtschaftliche Gebäude besichtigen. Bei der Kirche von Gamla Uppsala handelt es sich um die Überreste des einstigen Erzbischofssitzes, der Ende des 13. Jahrhunderts in das heutige Uppsala verlegt wurde.

Folgst Du der Europastraße 4 nach Norden, zweigt nach dem Tämnaren-See eine Straße zum Färnebofjärdens Nationalpark ab. Dieser umfasst eine Seenlandschaft des Dalälven, die sich auf Grund der geologischen Gegebenheiten gebildet hat. Über die zahlreichen Inseln, Auen und Sümpfe erstreckt sich eine der südlichsten Wildnisregionen Schwedens. Gut beschilderte Wanderwege führen durch die einsamen Wälder. Eine weitere Sehenswürdigkeit liegt an der Grenze der Provinz Gävleborg, wo der Dalälven die E4 kreuzt. Ein Stück flussabwärts bei Älvkarleby wird der Fluss aufgestaut. Der Damm ist ein beeindruckendes Bauwerk und lohnt einen Ausflug. Petrijüngern empfehle ich einen Besuch im Sportfiskemuseum.

Camping in und um Uppsala

Campingurlauber finden in Uppland weniger Übernachtungsmöglichkeiten als in den klassischen Touristenregionen Schwedens. Die meisten Plätze gibt es an der Küste Roslagens, also nördlich von Stockholm, zwischen Norrtälje und Östhammar. Norrtälje ist eine beliebte Zwischenstation für Reisende, die vom Hafen Kapellskär aus die Ostseefähren nach Finnland oder zu den Åland-Inseln nehmen. Kapellskärs Camping und Björkö Örns Camping liegen beide in Strandnähe. Ersterer aber etwas idyllischer in einem Naturreservat. Weitere Empfehlungen:

  1. Uppland - Älvkarleby

    Im Norden Upplands wird der mächtige Dalälven angestaut

    Sandvikens Camping & Havsbad bei Älmsta: direkt am Meer gelegen. Für Wohnmobile, Pkw mit Wohnwagen und Zelte geeignet. Stugas in verschiedenen Größen, darunter 5 Fünf-Bett-Stugas werden vermietet. 300 m langer Sandstrand mit Spielplatz und Beachvolleyballfeld. Rezeption mit Kiosk. Standard insgesamt: mittel bis gut.
  2. Hargshamns Bad & Camping: direkt am Meer im Schärengarten gelegen. Für Wohnmobile, Pkw mit Wohnwagen und Zelte geeignet. 1 Stuga wird vermietet. Neben dem kindgerechten Strand gehören auch Spielanlagen, ein Grillplatz und ein Bootshafen zum Areal. Standard: mittel.
  3. Fyrishov Stugby & Camping im Süden Uppsalas: in direkter Nachbarschaft zum Fyrishov Bad und Sportzentrum gelegen. Für Wohnmobile, Pkw mit Wohnwagen und Zelte geeignet. Verfügbare SelbstversorgerStugas sind 20 m² groß für 4-5 Personen. Ganzjährige Vermietung. Kombiticket für Bad und Übernachtung buchbar. Standard: gut bis sehr gut.
  4. Skokloster Camping: direkt am Mälarsee gelegen, 50 km südlich von Uppsala, 25 km von Sigtuna entfernt, nahe des Skokloster Schlosses bei einem Naturreservat. Für Wohnmobile, Pkw mit Wohnwagen und Zelte geeignet. Badestelle und Spielplatz. Minigolf und Boule möglich. Restaurant gehört zur Anlage. Keine Stugas. Standard: mittel.

Fazit
In Uppland habe ich während eines Sommersemesters mehrere Wochen verbracht, deshalb verbinde ich viele Erinnerungen mit der Landschaft. Sie ist sicherlich weniger spektakulär als andere Ecken Schwedens, aber dafür auch weniger touristisch geprägt. Mit Uppsala wartet eine der schönsten Großstädte des Landes darauf, entdeckt zu werden, und bietet viel Kultur und Nachtleben auf wenigen Quadratkilometern. Ihr internationales Flair verdankt die Stadt den vielen Studenten aus aller Welt. Von Stockholm aus lohnt sich ein Wochenendausflug auf jeden Fall. Und auf der Durchreise nach Norden oder zur Fähre nach Finnland kann man in Uppland einen Kurzurlaub verbringen. Für zwei Wochen wird es alles in allem doch etwas knapp. Dann solltest Du Deine Wanderschuhe einpacken und den Färnebofjärden erkunden oder an einer Guided Tour im Vallonbruken teilnehmen.

Wenn Du Fragen zu Uppsala und seiner Umgebung hast, kannst Du gerne die Kommentarfunktion nutzen. Halte auch Ausschau nach weiteren Beiträgen zu Uppland in meinem Blog.

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