Fårö (Gotland) – Sehenswürdigkeiten & Camping-Tipps

Fårö: Langhammars

Zur Insel Gotland gehören einige kleinere Eilande, darunter die beiden Karlsinseln mit ihren Naturreservaten, Östergarnsholm mit seinen vier Leuchttürmen sowie Fårö, auf Deutsch: ferne Insel. Sie liegt nordöstlich von Gotland und ist über eine Autofähre zu erreichen. Viele Gotlandurlauber verbringen daher einen Tagesausflug auf Fårö. Allerdings hat die kleine Insel das Potenzial für mehr. Neben den offensichtlichen Anziehungspunkten, wie den Felsformationen an ihrer Nordküste, möchte ich Dir weitere Highlights vorstellen.

Fårö: Raukar, Strände & Künstler

Zuallererst möchte aber noch einige Worte über die eigentümlichen Felsen und Steinbrocken verlieren, die auf den meisten Postkarten von Fårö zu sehen sind. Die Schweden nennen sie „Raukar“. Im Deutschen gibt es keine richtige Übersetzung dafür. Hinter der Bezeichnung verbergen sich Kalksteingebilde, die vor vielen Jahrmillionen durch Meeresablagerungen von Schwämmen und Korallen entstanden sind. Zunächst formten sich aus den Ablagerungen ganze Rifflandschaften. Nach der letzten Eiszeit zerfielen diese jedoch durch Erosion und Auswaschung in kleinere Formationen. Was davon übrig blieb, wurde durch Verwitterung und chemische Zersetzung zu den Überresten zerkleinert, die man heute an einigen Stränden Gotlands und Fårös bewundern kann. Die größten davon sind:

  • Digerhuvud: Schwedens größtes Raukfeld liegt an der Nordwestküste der Insel zwischen Lauterhorn und Aursviken. Es erstreckt sich über 3,5 km und bietet immer wieder tolle Ausblick. Du solltest auch auf die Abdrücke von urzeitlichen Meerestieren achten, welche man im seichen Strandwasser entdecken kann.
  • Gamla hamn: Das Raukfeld liegt etwa 4 km nordwestlich der Kirche von Fårö, auf dem Weg nach Lauter. Sein bekanntester Rauk ist der „Hund“ (auf Schwedisch: „Hunden“), der aussieht, als hätte er Kopf, Schwanz und vier Beine. In der Nähe des Feldes befinden sich ein Wikingergrab und die Ruine der St.-Olofs-Kirche.
  • Langhammars: Das Raukfeld bildet die Nordspitze der Insel. Du erreichst es entweder von Digerhuvud aus oder über die Abzweigung 2 km nordöstlich der Kirche von Fårö. Es ist in ein Naturreservat mit artenreicher Flora und Fauna eingebettet.
Fårö: Insel der Schafe
Angeblich gaben Schafe der Insel ihren Namen – allerdings werden sie von den Einheimischen nicht „får“, sondern „lamb“ genannt

Die Raukfelder schaffen raue, geheimnisvolle und vor allem steinige Strände, die zum Baden eher ungeeignet sind. Wenn Du zur Abwechslung einen schönen Sandstrand suchst, musst Du auf Fårö nicht lange suchen – es gibt vier davon! Sie alle liegen im Nordosten der Insel, genau genommen auf ihrer Halbinsel Avanäset:

  • Nordersand: Der Sandstrand liegt etwa 3 km von der Kreuzung bei Sudersand entfernt, wenn Du auf die Landstraße Richtung Ekeviken abbiegst.
  • Norsta Auren: Der Sandstrand liegt am äußersten nordöstlichen Ende der Insel unweit des Leuchtturms von Fårö. Auch hier gibt es keine weitere Infrastruktur. Der Strand wird teilweise von Nudisten genutzt.
  • Skalasand: Der Sandstrand liegt beim Sanddünengebiet Skalahauar auf der südlichen Seite des Nordostens, unweit des Leuchtturm. Wenn Du schwimmen gehst, solltest Du auf starke Strömungen gefasst sein.
  • Sudersand: Der bekannteste der vier Sandstrände ist knapp fünf Kilometer lang. Er ist leicht zugänglich, familienfreundlich und in eine typische Infrastruktur mit Cafés, Restaurants, Kiosken eingebettet.

Wie eingangs angedeutet, ist Fårö nicht nur geografisch wie eine kleine Schwester von Gotland, sondern auch touristisch. Während Gotland den schwedischen Massentourismus anzieht, war Fårö immer das Mekka der Künstler und Prominenten. Wesentlichen Anteil an dieser Entwicklung hatten Olof Palme und Ingmar Bergman. Ersterer verbrachte seinen Sommerurlaub als Ministerpräsident regelmäßig mit seiner Familie in einer einfachen Stuga in der Nähe von Sudersand. Letzterer nutzte die kleine Insel und einige Plätze auf Gotland für mehrere Filmdreharbeiten – und machte sie dadurch auch auf der Leinwand bekannt. Bergman bewohnte bis zu seinem Lebensende ein verstecktes Anwesen im Süden Fårös. In der Nähe davon steht das „Bergmancenter“, in dem sein filmisches Erbe dokumentiert und weitererzählt wird. Wenn Dich interessiert, an welchen Stellen der Insel seine Filme gedreht wurden, kannst Du eine geführte Tour buchen.

Fårö: einfache Landhäuser
Traditionelles Gehöft im Inland von Fårö

Zeitgenössische Kunst kannst Du auf Fårö natürlich auch bestaunen! So betreibt die bildende Künstlerin Eva Darpö eine Galerie und Boutique auf dem „Blessellska Gården“ in Lauters, auf halbem Weg von der Kirche Fårö zum Raukfeld Digerhuvud. Für kunstvolle musikalische Unterhaltung wird auf dem Hof „Stora Gåsemora“ gesorgt. In der früheren Scheune finden im Hochsommer Konzerte beliebter schwedischer Bands und Musiker statt. Ansonsten wird Gåsemora gern für Hochzeiten und andere gesellschaftliche Events genutzt. Es gibt ein Restaurant, mehrere Übernachtungsmöglichkeiten und Konferenzräume. Allein für den Ausblick auf das Meer lohnt es sich, auf dem Weg von der Kirche Fårö nach Sudersand den kurzen Umweg über Ringvida zu machen. Wer sich für aktuelle Malerei von Fårö interessiert, sollte bereits auf der Anreise zur Insel im Örtchen Fårösund Halt machen. Hier steht die „Skärsgalleriet“, in der im Sommer Vernissagen stattfinden und gesammelte Werke der so genannten „Fårömålare“ (auf Deutsch: Fårö-Maler) gezeigt werden.

Besondere Orte auf Fårö

Wie eingangs erwähnt, lohnt es sich auf jeden Fall, mehr als einen Tag für die Insel einzuplanen. Ansonsten nimmst Du Dir die Gelegenheit, neben den aufgezählten Sehenswürdigkeiten weitere stimmungsvolle Orte zu besuchen. Einer davon ist die mehrfach erwähnte Kirche von Fårö. Sie steht an einem zentralen und markenten Platz in der Mitte der Insel. Zwei Bildtafeln in ihrem Inneren zeigen, dass die Insulaner lange Zeit von der Robbenjagd lebten. Auf dem angrenzenden Friedhof befindet sich die Grabstätte von Ingmar Bergman und seiner Frau Ingrid. Weitere Anziehungspunkte, für die Du Dir Zeit nehmen solltest, sind aus meiner Sicht:

  • Bondans Gård: Der mittelalterlich anmutende Hof ist in die savannenähnliche Landschaft zwischen Digerhuvud und Langhammars eingebettet. Seine Besitzer haben ihn vor einigen Jahren in seinen Originalzustand versetzt, sodass er heute veranschaulicht, wie im 18. Jahrhundert auf Fårö gewohnt und gewirtschaftet wurde. Leider kann „Bondans“ nur von außen besichtigt werden.
  • Dämbaskogen: Auf dem Weg von der Fähre zur Kirche von Fårö liegt dieses private Waldgebiet, durch das ein 1,2 km langer Wanderpfad führt. Neben zweitausend Jahre alten Gräbern gibt es hier Steinsetzungen, Erdkeller und Kalköfen vom Ende des 19. Jahrhunderts zu sehen.
  • Helgumannen: Am nördlichen Ende von Digerhuvud stehen diese einsamen Fischerkaten am Strand. Sie befinden sich zum Teil noch in gewerblicher Nutzung. Ursprünglich übernachteten Fischer hier und stachen dann im frühen Morgen zu ihren Fangfahrten in See. Um Helgumannen ranken sich viele Geschichten. Wenn Du einen Einheimischen triffst, weiß er bestimmt von einer zu berichten.
  • Ullahau: Das Naturreservat in der Nähe von Sudersand besteht aus vielen bepflanzten Wanderdünen, zwischen denen sich immer wieder größere Sandflächen bzw. -becken erstrecken, in denen es im Sommer trocken und heiß werden kann. Die Landschaft zieht seltene Tier- und Pflanzenarten an. Zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert war das Gebiet auf Grund von übermäßiger Rodung komplett versandet, ehe man begann, seine Ausbreitung durch das Pflanzen von Bäumen einzudämmen.
  • Ryssnäs: Ganz im Süden Fårös liegt dieses ehemalige militärische Sperrgebiet. An seiner Landspitze begegnen Dir wieder eigentümliche Steinformationen, teils auch ähnlich der Raukar. Landeinwärts verwandelt sich die Landschaft in eine Art Hochmoor, in dem früher Torf abgebaut wurde. Einen Kilometer nördlich liegt der Englische Friedhof, auf dem britische Seeleute aus der Zeit des Krimkriegs begraben liegen. Sie starben an Cholera.
  • Skärsänd: Der felsige Strand schließt sich an Nordersand an und wird gerne von Wind- und Kitesurfern aufgesucht. Ingmar Bergman drehte hier die erste Szene des Films „Wie in einem Spiegel“.

Camping auf Fårö

Fårö: Ullahau
Die Dünenlandschaft Ullahau bildet einen mediterranen Kontrast zu den kargen Kalksteinstränden

Grundsätzlich ist das Übernachtungsangebot eher auf Camping- als auf Ferienhausurlauber ausgerichtet. Wenn Du auf der Insel wild campen möchtest, solltest Du auf jeden Fall beachten, dass es innerhalb der Naturreservate verboten ist, Zelte aufzuschlagen. Außerdem ist es untersagt, mit motorisierten Fahrzeugen die befestigten Wege zu verlassen – was natürlich auch die Strände einschließt. Es gibt vier größere Campingplätze auf der Insel, wobei das Resort von Sudersand unübersehbar der Platzhirsch ist:

  • Ekevikens Camping liegt auf der Halbinsel Avanäset, nur durch eine Straße vom Strand Nordersand getrennt, und ist für Zelte, Pkw mit Wohnwagen und Wohnmobile geeignet. Badestrand, Grillplatz und Bootsanlegestelle sind von der Anlage aus erreichbar. Im angrenzenden Dorf gibt es Einkaufsmöglichkeiten und Lokale. Standard: mittel.
  • Solhaga Camping liegt im Südwesten der Insel, unweit des Meeres an der Straße von der Fähre zur Kirche von Fårö, und ist für Zelte, Pkw mit Wohnwagen und Wohnmobile geeignet. Als Übernachtungsmöglichkeit stehen auch einfache Stugas zur Verfügung. Zur Anlage gehören ein Strandzugang mit Liegewiese, Kinderspielgeräte, ein Beachvolleyballplatz, ein Grillplatz und eine Angelmöglichkeit. Standard: mittel.
  • Strandskogen Camping liegt auf der Halbinsel Avanäset, etwa 500 Meter vom familienfreundlichen Strand Sudersand entfernt, und ist für Pkw mit Wohnwagen und Wohnmobile geeignet. Zudem werden Stugas und ein Gemeinschaftzimmer zur Vermietung angeboten. Zur Anlage gehören ein Tennisplatz, ein Spielplatz, eine Minigolfanlage, eine Sauna, ein Fahrradverleih und ein Café. Standard: mittel bis gut.
  • Sudersand Resort liegt auf der Halbinsel Avanäset, direkt am familienfreundlichen Strand Sudersand, und ist für Zelte, Pkw mit Wohnwagen und Wohnmobile geeignet. Zur Übernachtung stehen Hotelzimmer, Gästezimmer in einem Wandererheim sowie Stugas verschiedener Größen zur Verfügung. Die Anlage bietet eine Vielzahl von Einrichtungen – Sauna- und Relaxbereich, Pool und Badetonnen, Minigolf, Grillhaus und Spielplatz. Aktivitäten wie Angeln, Fitness und Gruppentraining sind möglich. Im angrenzenden Dorf gibt es Einkaufsmöglichkeiten und Lokale. Standard: gut bis sehr gut.

Neben den Campingplätzen gibt es drei kostenpflichtige Wohnmobilstellplätze: Zum einen „Lauterhorns ställplats“ am Ende der Straße in Lauters, etwa 7 km nordöstlich der Kirche von Fårö. Zum anderen zwei Stellplätze in der Bucht von Ekeviken, wobei der zweite im Bereich des Weilers Skär an der Straße Richtung Skärsand und Norsta Auren liegt.

Persönliches Fazit
Ich habe nach einem Tagesausflug nach Fårö wirklich Lust auf mehr bekommen! Leider war mein damaliger Gotlandurlaub bereits ausgiebig verplant, sodass ich nicht mehr Zeit für die kleine Insel hatte. Ich könnte mir vorstellen, beim nächsten Mal bis zu drei Tage auf Fårö zu verbringen. Leider ist die An- und Abreise von Deutschland aus ziemlich zeitaufwendig, sodass ich die Insel wiederum nur in Verbindung mit einem Gotlandaufenthalt aufsuchen würde. Als Reisezeit würde ich wieder die Hauptsaison im Sommer wählen, da sich in dieser Zeit einfach die meisten Möglichkeiten für Aktivitäten bieten und die Landschaft von morgens bis abends in ihrem schönsten Licht erstrahlt. Abseits der Hauptsaison ist Fårö ein Insidertipp für Individualreisende, die einen Genuss dabei empfinden, die vielseitige Landschaft ganz für sich zu haben.

Hast Du Lust bekommen, die Reise nach Fårö auf Dich zu nehmen? Dann berichte mir im Anschluss gerne von Deinen Eindrücken. Falls Du Fragen hast, kannst Du diese ebenfalls über die Kommentarfunktion an mich richten.

Gotland & Fårö per Fähre erreichen …

Ölandbrücke: KalmarGotland: Anreise nach FåröDu möchtest wissen, wie Du nach Fårö reisen kannst? Dann erfährst Du in diesem Beitrag, mit welchen Fähren Du vom schwedischen Festland aus nach Gotland gelangst. Denn Fårö ist nur von ihrer großen Schwesterinsel zu erreichen. In der Sommersaison, insbesondere während der schwedischen Schulferien, solltest Du am Fährableger in Fårösund längere Wartezeiten einplanen! (Bild in Lizenz von Destination Gotland, Olof Segerberg – stock.adobe.com)

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