Mit Scandtrack nach Nordmarken

Nordmarken in Dalsland ist ein ideales Gewässersystem für Aktivurlaub mit Kanu und Zelt © Lennart Horzonek

Ein gelungener Aktivurlaub passiert nicht einfach so. Er setzt Eigeninitiative, Ausrüstung und zumindest grundlegende Kenntnisse über das Reiseziel voraus. Es kann also durchaus Sinn machen, sich an einen der vielen Reiseanbieter zu wenden, um ein Paket aus Unterkunft und Aktivitäten zu buchen. Das klingt auf Anhieb vielleicht nach Pauschalurlaub, kann in der Praxis aber sehr entspannt und individuell sein. Unter den Spezialisten für Aktivurlaube in Schweden mischt die Scandtrack Touristik GmbH erfolgreich mit. Das bei Berlin ansässige Unternehmen lädt zu Kanureisen, Kajakreisen, Hausbootabenteuern, Wildniszelten und Ferienhausurlauben ein – wobei sich die Angebote auf die Region Värmland und Dalsland konzentrieren.

Scandtrack – Komplettreisen nach Schweden

Was leistet so ein Reiseanbieter im konkreten Fall? – Um das zu erklären, habe ich mir mal die Kanu- und Kajakreisen näher angesehen. In dieser Rubrik wirbt Scandtrack mit Komplettpaketen für Einzelpersonen oder Gruppen. Und komplett ist hier wirklich wörtlich zu nehmen: An- und Abreise, Ausrüstung, Land- und Wanderkarten, Streckenplanung, Unterkünfte und z.T. auch Verpflegung sind in den Buchungen inbegriffen. Das heißt, dass für Dich mit dem „Kofferpacken“ alles getan ist. Über alle weiteren Reisevorbereitungen brauchst Du Dir keine Gedanken machen. Scandtrack nimmt sie Dir ab. Bei den Ferienhausangeboten verhält es sich übrigens ähnlich. Hier kannst Du auf die Anreise mit dem eigenen Auto verzichten und Dich per Bus ans Urlaubsziel bringen lassen. Zudem sind die Häuser zur Selbstversorgung eingerichtet und die notwendige Ausrüstung für Kanutouren und andere Outdoorabenteuer liegt für Dich und Deine Reisebegleitung parat. Scandtrack hat darüber hinaus zwei echte Highlights im Portfolio:

  1. Hausboot Urlaub: Verbringe neun oder mehr Tage in einer schwimmenden Stuga! Führerscheinfrei kannst Du die großen Seen in der Region Nordmarken in Dalsland erkunden. Mit Verpflegungspaket, Kartenmaterial, Outdoorausrüstung, Einweisung und Tourenvorschlägen von Ortskundigen.
  2. Urlaub auf der eigenen Insel: In den Seen Foxen und Stora Bör verfügt Scandtrack über Campgrounds und Tipis als Lagerplätze, die Du mit Deinen Begleitern zur Alleinnutzung buchen kannst. Kanus, Verpflegung, Ausrüstung, Packsäcke, Kartenmaterial, eine Einweisung u.a. sind als Komplettpaket mit An- und Abreise buchbar.
Scandtrack Kanu in Nordmarken

Scandtrack stellt den Reisenden nicht nur Kanus, sondern auch alles notwendige Drumherum bereit © Lennart Horzonek

Scandtrack veröffentlicht viele Kundenkommentare auf der eigenen Website. Unabhängig davon möchte ich an dieser Stelle Lennart Horzonek mit einem ausführlichen Erfahrungsbericht zu Wort kommen lassen:

Mit Scandtrack nach Nordmarken – Erfahrungsbericht

In den frühen Morgenstunden ist es kalt an Deck der Fähre, die halbstündlich zwischen dem dänischen Helsingør und der schwedischen Stadt Helsingborg pendelt. Weit in der Ferne sehe ich die Küste, eine blaue Flagge mit gelbem Kreuz und ein paar Möwen, die diesen Augenblick mit mir teilen. Und obwohl ich bereits eine vollkommen schlaflose Nacht im Bus hinter mir habe, kann ich mir das Grinsen im Gesicht nicht verkneifen. Schweden liegt direkt vor mir.

Die Busfahrt ist anstrengend. Eng ist es, zudem wirklich jeder Platz besetzt und die Luft zum Schneiden dick. Auch muss ich schon zu Beginn der Reise feststellen, dass nicht alle Mitreisenden zwingend wegen der Ruhe und Natur diesen Trip zu unternehmen scheinen. Mallorcalieder werden angestimmt und viel Alkohol fließt – dem Duty-Free-Shop auf der Fähre sei Dank. Mittags kommen wir endlich an und bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Midsommartemperaturen begrüßt mich eine wunderschöne Landschaft aus dichtem Nadelwald, Felsformationen und kristallklaren Seen. Malerisch, einfach traumhaft – sofort sind die Strapazen der Fahrt vergessen. Välkommen till Sverige!

Scandtrack haben sich mit einem kleinen Team hier in der wunderschönen Kanuregion Nordmarken ein gut ausgestattetes Basiscamp errichtet, mit einer kleinen Verwaltung, eigenen Kanu-Anlegeplätzen und diversen mietbaren Hütten im Blockhausstil. Nach der Ankunft wird die Ausrüstung zugewiesen, Proviant verteilt und Grundlegendes erklärt – Rückfragen erwünscht! Generell sind die Scandtracker nett und nehmen sich Zeit für mich. Dennoch mag noch kein so richtiges Feeling aufkommen, was am Ende auch an den vielen Mitreisenden und dem allgemeinem Trubel liegt – so ähnelt alles eher einem Campingplatz, anstatt einem Outdoor-Abenteuer.

Dalsland: Kanu auf See

Abseits des Scandtrack Camps: Kanutour auf dem Stora Le bei nächtlicher Mittsommersonne © Lennart Horzonek

Zum Glück legt sich das, so wie sich nach und nach die Kanus auf dem Fluss verlieren und die Stille Einzug hält. Dann beginnt mein Schwedenabenteuer: Anstatt jede Nacht im Zelt zu schlafen, genieße ich den Komfort meiner Hütte. Bett, Tisch, Schrank, Kochstelle – geduscht wird entweder im Fluss oder in der Nasszelle eines kleinen Toilettenhäuschens im Basiscamp. Spartanisch und einfach – aber zweckmäßig. Der Proviant ist ausreichend, wenngleich ich mich angesichts des Preises über schwedische Markenprodukte gefreut hätte. So gibt es lediglich Metro-Ware aus der Heimat, die nicht zwingend für Lebensmittelallergiker geeignet ist. Möglichkeiten für Sonderwünsche sind hier leider Fehlanzeige. Die Ausrüstung selbst ist gut: Neben Kanu- und Paddel-Zubehör gibt es umfangreiches Kochequipment und vernünftiges Kartenmaterial der Region.

Was ich wann, wie und wo mache – das bleibt nun mir vollkommen selbst überlassen. Ob Kanufahren, Wandern oder Schwimmen – ich mache, wonach mir gerade ist. Und das ohne Stress. Keine Uhr, kein Handy, kein Terminplan. Nur die Natur und ich. Kleine Expeditionen durch die weite Flusslandschaft entlang des berühmten Dalslandkanals offenbaren so manches Panorama. Die Einsamkeit hält Einzug sobald ich etwas Strecke zurücklege. Kein Mensch weit und breit. Mit der Sonne im Gesicht und einem selbstgekochten Bohneneintopf, lasse ich es mir an einem der zahllosen Ufer mit Blick auf die Weiten des Stora Le gut gehen – die Seele beginnt zu baumeln. Abends scheint alles goldgelb gefärbt zu sein, die Landschaft spiegelt sich auf der Wasseroberfläche, die Luft ist klar und irgendwo an einem Steg weht eine Schwedenflagge, während ich der untergehenden Sonne zusehe – schlichtweg Perfektion.

Scandtrack Reiseproviant

Selbstverpflegung auf einer Kanutour: Bohnen, Speck, Steinofenbrot und „flüssiges Brot“ © Lennart Horzonek

Tiefenentspannt bin ich am Ende dieses Urlaubs. Innerlich geerdet und neu fokussiert. Weder die Unruhe vor der Abfahrt, noch die anstrengende Rückreise selbst können mir jetzt etwas anhaben. Dass ich wiederkomme ist sicher – ob mit Scandtrack zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht. Allerdings nehme ich wunderbare Erinnerungen von atemberaubenden Sonnenuntergängen, malerischen Landschaften, prasselndem Lagerfeuer und abenteuerlichen Reisen über das Wasser mit. Wo manch einer das Großstadtfeeling von Stockholm im Kopf hat oder klischeehaft an Elche, Ikea und Köttbullar denkt, kommt bei mir – nicht zuletzt dank Scandtrack – das raue, wilde, gar martialische Gefühl der puren, wunderschönen Natur auf.

Fragen an einen Scandtrack-Reisenden

Ergänzend zu seinem Bericht, stand mir Lennart noch für einige Fragen zur Verfügung:

    Schwedenurlauber: Du hast bei Scandtrack die Busanreise gebucht. Wie viel Gepäck durftest Du mitnehmen? Hattest Du eigene Getränke und Proviant dabei?

Lennart: Generell waren es maximal 20kg pro Koffer oder Reisetasche, die im Laderaum verstaut werden konnten. Es hat zwar niemand nachgewogen, aber man hätte schon Steine einladen müssen, um das zu toppen. 🙂 Das Handgepäck, welches bei mir ein kleiner Trekking-Rucksack war, durfte man mit in den Bus hineinnehmen. Proviant selbst hatte ich keinen eigenen dabei, mit Ausnahme von ein paar Lieblingsbieren für die abendlichen Momente am Ufer oder Lagerfeuer. Letztendlich war die Verpflegung vor Ort auch mehr als ausreichend für mich als Alleinreisenden.

    S: Du erwähnst ein Basiscamp: Wie unterschied es sich von einem normalen Campingplatz in der schwedischen Vildmark? Und wohnt man eher für sich oder doch nah beisammen?
Dalsland: Stora Le

Am Ufer des Stora Le © Lennart Horzonek

L: Mit einem klassischen Campingplatz ist das Basiscamp nicht zu vergleichen. Es liegt etwas abgeschiedener in den Wald hinein und dient generell nur dem Zweck der Organisation und Verwaltung oder als Aufenthaltsort bei Ankunft und Abreise. Das Scandtrack-Team selbst wohnt dort auch – in typisch schwedischen Häusern. Die eigentlichen Ferienhäuser für die Reisenden liegen etwas entfernt, aber direkter in Ufernähe und sind ganz gut aufgeteilt.

    S: Wie war der Zustand des Camps und Deines Quartiers? Machte es einen gepflegten Eindruck oder merkt man die starke Frequentierung an?

L: Generell wird alles vor Ort gut in Schuss gehalten. Viele der Scandtrack-Mitarbeiter sind handwerklich begabt und sowohl Camp als auch Hütten selbst waren gepflegt. Allein das Mobiliar der Ferienhäuser war damals etwas zusammengesucht. Auf meiner neuesten Schwedenreise habe ich den Ort erneut besucht und festgestellt, dass nicht nur zusätzliche Hütten errichtet, sondern auch die Innenausstattung erneuert wurde – man erkennt die Handschrift eines berühmten schwedischen Möbelhauses. 🙂

    S: Wohin sind die mallorcaliedersingenden Mitreisenden verschwunden? Und gab es zur Abwechslung auch Kontakt mit Einheimischen?

L: Die lautstarke Partytruppe hatte ebenfalls wie der Großteil der Reisenden eine Kanutour auf eigene Faust gebucht. Darum war sie bereits nach einigen Stunden auf dem Wasser verschwunden und tauchte erst vor der Rückreise wieder auf. Das konnte man dann aber auch bereits aus der Entfernung vernehmen, weil sie auch nach 10 Tagen die Lust am Gröhlen offenbar nicht verloren hatten. Generell waren es aber umgängliche und friedliebende Jungs.

L: Was die Schweden selbst betrifft, so eilt ihnen ja der Ruf voraus, eher introvertiert zu sein und generell für sich bleiben zu wollen. Dies kann ich jedoch nicht bestätigen. Zwar ist der Ort Lennartsfors relativ klein, dafür aber lange nicht wie ausgestorben. Es wird freundlich gegrüßt, wenn man sich über den Weg läuft und aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass durchaus auch nette Gespräche zustande kommen können. Die Schweden sind gerade an Leuten aus anderen Ländern interessierter, als man denkt.

L: Ein kleines Highlight war eine deutsche Auswanderin, die in der nächstgrößeren Stadt Årjäng gearbeitet hat. Sie nahm mich und zwei andere Reisende an einem Tag mit dem Auto mit und berichtete viel von ihrem Leben dort in Schweden. Man merkt bei jedem Gespräch die Entspanntheit der Leute. Total ansteckend.

    S: Warst Du in Nordmarken auch wandern oder hast Du Dich vorwiegend zu Wasser bewegt?

L: Den Großteil der Zeit habe ich auf dem Wasser verbracht. Es gab soviele Abzweigungen und kleine Buchten zu erkunden, dass selbst drei oder vier Wochen niemals langweilig geworden wären. Als Alleinreisender einen großen Kanadier zu bewegen, ist jedoch schon eine gewisse Herausforderung. Es waren zwar geschlossene Gewässer, aber aufgrund der Größe der Flüsse wirkten diese teils wie riesige Seen. Da war es nicht ganz so einfach, dem Wellengang bei Wind und Wetter Stand zu halten.

L: Das war auch der Grund, weshalb ich einige Tage die Wanderschuhe den Kanupaddeln vorgezogen habe. Nordmarken ist ein Wanderparadies und auch vor Ort, bei Lennartsfors, gab es kleine, teils kaum berührte Wanderrouten mit Aussichtspunkten, die es zu erklimmen galt. Für mich als Hobby-Wanderer war es eine echte Erfüllung.

    S: Du warst zwischenzeitlich ein weiteres Mal in Schweden – ohne Scandtrack und ganz individuell. Was war besser, was hast Du vermisst?

L: Es gab natürlich wesentlich mehr zu planen. Von der Anfahrt, über Fähren- und Brückenüberfahrten, Pensionen für Zwischenübernachtungen, bis hin zur eigentlichen Unterkunft, musste ich alles selbst organisieren. Das war aber gar nicht so stressig, sondern hat sogar Spaß gemacht. Auch war somit die Anreise viel angenehmer – so ein Roadtrip durch Schweden kann auch aufgrund des ruhigen Verkehrs und der weiten, teils menschenleeren Strecken sehr entspannend sein.

L: Jedoch war es mit Scandtrack damals auch ganz komfortabel, die Reise zu bezahlen und den Rest der Organisation komplett dem Dienstleister zu überlassen. Allerdings muss man sich dann natürlich mit den Begebenheiten vor Ort arrangieren können.

L: Weil ich dieses Mal flexibler, freier und mit mehr Komfort meine Zeit in Schweden verbringen wollte, habe ich es selbst in die Hand genommen und dies auch nicht bereut. Das wird in der Zukunft auch meine Wunschoption bleiben. Schweden ist etwas für Freiheitsliebende und Menschen, die sich treiben lassen. Da ist zumindest aus meiner Sicht keine Berechtigung für Busfahrten, die stark dem Massentourismus ähneln.

Fazit
Vielen Dank an Lennart Horzonek, für seine ausführlichen Schilderungen! Wenn ich sie richtig interpretiere, eignet sich eine Komplettreise mit Scandtrack besonders für Schweden-Einsteiger. Wer seine ersten Erfahrungen mit dem Land gesammelt hat, wird sich dann aber eher zum Individualreisenden entwickeln – was auch der schonendere Tourismus für Schweden ist. Denn Camps wie bei Lennartsfors bringen schlichtweg zu viele Urlauber auf einmal an einen Platz, der eigentlich für seine Unberührtheit bewundert wird. Ich hoffe deshalb auf andere Reiseanbieter, die mit eigenen Ideen erfolgreiche Nischenangebote schaffen.

Falls Du solche Erfolgsgeschichten kennst oder von eigenen Reiseerfahrungen berichten möchtest, dann erweitere diesen Beitrag gerne mit Deinen Kommentarzeilen. Lennart und ich freuen sich über jedes Feedback. Vielen Dank!

Malmö in SchonenGPS-Koordinaten: Breite 59.316667°, Länge 11.9°. Region: Mittelschweden. Das Camp von Scandtrack befindet sich bei Lennartsfors. Der kleine Ort gehört zur administrativen Provinz Värmland. Die angrenzenden Seen reichen allerdings weit in die Landschaft Dalsland hinein. Bekannte Reiseziele in der Nähe sind der Dalsland-Kanal, der Vänernsee und die Stadt Karlstad.

Mit Scandtrack reisen

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  1. EvaKamp sagt:

    Ich habe zwar nicht vor keine Reise nach Dalsland geplant, dennoch ist dein Beitrag sehr interessant. Beste Grüße aus dem Restaurant Brixen

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