Vildmark in Schwden: Orsa Finnmark

Schwedische Vildmark pur: Gegend am Helvetesfall in der Orsa Finnmark © Aneta Steck – Fotolia.com

Vildmark ist etwas, das es in Deutschland eigentlich nicht gibt – sieht man einmal von den kleinen Nationalparks in den Mittelgebirgen und an den Küsten ab. Gemeint ist im Wortsinn das „wilde Land“, also unbewohnte und unberührte Gebiete wie Wälder und Berge, in denen die Natur sich selbst überlassen ist. An ihnen mangelt es in Schweden nicht. Und für viele Urlauber sind sie eine der Attraktionen des Landes.

Schwedenurlaub in der Vildmark

Schon tief im Süden erstrecken sich große Areale, in denen so genannte Vildmarkcenter und Vildmarkcamps eingerichtet wurden, um Menschen Naturschönheiten näherzubringen. Sie informieren über die Flora und Fauna, bilden Ausgangspunkte für Wanderungen und andere Aktivitäten und ermöglichen den mehrtägigen Aufenthalt mit allen Annehmlichkeiten, die das zivilisierte Leben bietet. Im Grunde bilden sie Außenposten, die uns den Zugang und die Rückkehr in die ursprüngliche Landschaft erleichtern sollen.

Die schwedische Vildmark wird somit nicht nur naturverbundenen Einheimischen, sondern auch Urlaubern aus dem In- und Ausland erschlossen. Die Beispiele für den grünen Wildnis-Tourismus sind zahlreich. Hier nur eine kleine Liste von bekannten Campingplätzen, Wandererheimen und Konferenzzentren (von Süd- nach Nordschweden):

  1. Vildmarkscenter Höör
  2. Hätteboda Vildmarkscamping
  3. Pinnarps Vildmarkscenter
  4. STF Vandrarhem Wauglen/Bohuslän
  5. Ångersjöns Café & Vildmarkscamping
  6. STF Navardalens Vildmarksstation
  7. Svågadalens Konferens & Vildmarkcenter Bjuråker
  8. Nederhögen Vildmarkscenter
  9. Svansele Vildmarkscamp

Vildmark ist ähnlich wie „Bio“ kein fest definierter Begriff. Du solltest beachten, dass Betreiber von Campingplätzen und Gästehäusern ihn gerne in den Namen ihrer Einrichtung aufnehmen, um sich besser zu vermarkten. Wer allerdings will es ihnen verbieten – solange sie nicht gerade innerhalb von Siedlungsgrenzen liegen, sind die Ausläufer der Vildmark ja meist tatsächlich in Reichweite. In diesem Beitrag möchte ich anhand von zwei Beispielen vorstellen, wie „richtiger“ Vildmark-Tourismus aussehen kann.

Beispiel 1: Orsa Finnmark

Die Orsa Finnmark ist eine einsame Waldgegend in Dalarna, in der sich einst sehr viele finnische Waldarbeiter angesiedelt haben. Heute gibt es hier noch vier größere Dörfer: Tandsjöborg, Fågelsjö, Håven und Hamra. Die Geschichte der Landschaft wird im Börningsberget Skogsmuseum bewahrt und überliefert: Es liegt mitten in den tiefen Wäldern und wird als Freilichtmuseum geführt, in dem verschiedene Wohn- und Werkstätten besichtigt werden können. Eine zweite Attraktion in der Orsa Finnmark ist die Bärenforschungsstation „Björn & Vildmark“ an der Europastraße 45 zwischen Orsa und Sveg. Hier kannst Du in komfortablen Hütten Quartier nehmen und Dich aus erster Hand über das Leben der wilden Braunbären in der Orsa Finnmark informieren – am besten auf einer der Exkursionen. Wanderer können die wilde Natur der Orsa Finnmark bei einer Tour zum Helvetesfall erkunden. Er liegt eine halbe Autostunde nördlich von Orsa und ist ebenfalls von der E45 aus zu erreichen. Am so genannten „Höllenfall“ hat der Fluss Ämån einen tiefen Einschnitt im felsigen Grund ausgespült und überwindet gut dreißig Meter Höhenunterschied. Mit gutem Schuhwerk kannst Du dem Canyon noch ein Stück folgen. Etwa fünf Kilometer südlich gibt es mit dem Storstupan einen weiteren Wasserfall. Beide sind über einen Rundweg miteinander verbunden. Das Besondere am Storstupan (dt. „große Stufe“) ist die imposante Brücke, auf der die südliche Inlandsbahn die Schlucht überquert.

Vildmark in Schweden: Hamra Nationalpark

Hamra Nationalpark: Ein Musterbeispiel für tourismusfähige schwedische Vildmark

Beispiel 2: Hamra Nationalpark

Nördlich der Orsa Finnmark befindet sich ein weiteres Beispiel für attraktiven Vildmark-Tourismus: HamraVild. Das Konferenz- und Informationscenter liegt in unmittelbarer Nähe des Hamra Nationalparks. Der kleinste Nationalpark Schwedens ist dank eines angelegten Pfades leicht zu durchwandern. Seine Besonderheit sind die unberührten, gut 300 Jahre alten Nadelbaumbestände, die ausgeprägten Flechten und zahlreichen heimischen Insektenarten. HamraVild bietet sich als Campingunterkunft für alle an, die Zeit im Nationalpark verbringen wollen. Angel- und Kanutouren können gebucht werden. Für Groß und Klein gibt es weitere Aktivitäten und Ausflugangebote zur Loos Koboltgruva, zum Fågelsjö Gammelgård, zum Berg Pilkalampinoppi und Jolls Trädgård.

Mein Fazit
Aus eigener Erfahrung kann ich eine kleine Wanderung durch den Hamra Nationalpark sehr empfehlen. Der Ort ist eine ideale Zwischenstation für Rundreisende durch Dalarna und Jämtland, ebenso wie Besucher des Bärenparks in Orsa ruhig noch einen Abstecher in die Orsa Finnmark machen sollten. Es warten unberührte Landschaften mit unverwechselbaren Attraktionen – selbst für schwedische Verhältnisse. Kennst Du ähnliche Vildmark-Ziele in anderen Regionen? Oder hast Du eine der beiden genannten schon besucht? Dann poste mir gerne einen Kommentar.

Schwedische Vildmark in DalarnaGPS-Koordinaten von Hamra: Breite 61.763889°, Länge 14.755556°. GPS-Koordinaten von Orsa: Breite 61.116667°, Länge 14.616667°. Region: Dalarna, ehemalige Provinz Kopparberg. Beide Vildmark-Ziele lassen sich mit einer Reise zum Siljansee oder entlang des so genannten Inlandsvägen (dt. Inlandsweg) E45 verbinden. Trekker können sich in der Gegend auch auf eine Tour auf dem südlichen Kungsleden einstimmen.

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Bisher eine Antwort.

  1. Santina sagt:

    Schweden interessiert mich immer mehr als Reiseziel. Wir sind hin- und hergerissen, ob uns unsere nächste Reise dort hin führt, aber wenn ich das hier so lese, dann bekomme ich richtig Lust darauf.

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