Nördlicher Polarkreis – 66. Breitengrad in Schweden

Mit diesen Hinweistafeln wird in Schweden der Verlauf des Polarkreises gekennzeichnet

(Bild in Lizenz von Jerker Andersson – imagebank.sweden.se) Eine Reise zum Polarkreis bleibt auch im 21. Jahrhundert eine ungewöhnliche Unternehmung – nicht nur für Mitteleuropäer: Den Polarkreis aufzusuchen, mit dem Auto darüber zu fahren oder zu Fuß über seinen markierten Verlauf zu springen, ist nämlich nur auf der nördlichen Halbkugel möglich. Sein südlicher Bruder verläuft beinahe komplett durch Weltmeere und seine einzigen Landkilometer liegen auf der antarktischen Halbinsel. Deshalb solltest Du Dir auf Deiner Reise durch Nordschweden nicht die Gelegenheit entgehen lassen, am „Polcirkeln“ Halt zu machen. Seine Koordinaten lauten: 66˚33’38“ N. Beachte, dass nicht jede aufgezeichnete Linie und nicht jedes Hinweisschild, das Dir begegnet, den exakten Verlauf anzeigt. Der Nordpolarkreis steht nicht still. Er rückt Jahr für Jahr um etwa 14,5 Meter weiter nach Norden vor. Ursache dafür ist die langsame Richtungsänderung der Erdachse infolge des Schwerkrafteinflusses von Mond und Sonne.

Besonderheiten der Polarregion: Mittsommersonne und Polarlichter

Aus touristischer Sicht ist der Polarkreis zwar schon eine Attraktion an sich, aber die Region entlang des 66. Breitengrades wartet mit zwei weiteren Phänomenen auf: Mittsommernachtssonne und Polarlichter ziehen den Besucher aus Mitteleuropa unmittelbar in ihren Bann. Wusstest Du, dass die Sonne in Juni und Juli hier genauso steil über der Erde steht wie während des europäischen Winters am Äquator? Da sie hier mehrere Wochen lang auch nachts scheint, ist die Anzahl der jährlichen Sonnenstunden zusammen genommen sogar größer als am Äquator!

Nördlicher Polarkreis: Inlandsbahn
Mit der Inlandsbahn in Schweden und der Nordlandsbane in Norwegen überquerst Du den Polarkreis © Fossum / Hurtigruten

Davon ist in Dezember und Januar natürlich wenig zu spüren. Vom 21. zum 22. Dezember steht die Sonne am niedrigsten über der Nordhalbkugel, weshalb es am 66. Breitengrad fast einen Tag lang komplett dunkel bleibt. Wie als Entschädigung dafür wird den Bewohnern in dieser Zeit ein besonderes Lichtphänomen zuteil, das nur ab ca. 66,5° nördlicher bzw. südlicher Breite beobachtet werden kann: das Polarlicht. Es entsteht, wenn Sonnenwindteilchen in die Erdatmosphäre eintreten. Die Folge sind physische und chemische Reaktionen, bei denen Energie in Form von Licht freigesetzt wird.

Wie gelangt man zum Nördlichen Polarkreis?

Wie eingangs schon angedeutet, ist der Nördliche Polarkreis in Schweden an vielen Stellen zugänglich. Es gibt sogar mehrere Orte, die direkt auf ihm liegen (oder bis vor einigen Jahren lagen):

  1. Jokkmokk,
  2. Jänkisjärvi bei Övertorneå,
  3. Juoksengi bei Övertorneå,
  4. und Polcirkeln bei Gällivare

Bei Jokkmokk gelangst Du auf dem Riksväg 97 und auf der Europastraße 45 zum Nordpolarkreis. Am Kierats-See gibt es Infotafeln und ein Café, das im Sommer geöffnet ist und in dem Polarkreisurkunden als Souvenirs verkauft werden. In der Region findest Du aber auch einsamere Stellen, an denen man mit Wohnwagen und Wohnmobilen direkt am Polarkreis Halt machen und die einzigartige Atmosphäre auf sich wirken lassen kann. Wer den 66. Breitengrad erwandern möchte, kann dies auf dem Fernwanderweg Kungsleden tun. 8 km nördlich vom Vuonatjviken wird die Stelle mit einem einfachen Holzschild gekennzeichnet.

Wo kann man das Polarlicht / Nordlicht sehen?

Nördlicher Polarkreis - Markierungsstein
Steinmarkierung des Nördlichen Polarkreises bei Jokkmokk © Sven G.
Um die berühmten Nordlichter zu sehen, musst Du im Herbst oder Winter nach Lappland kommen. Insider raten zu einem zweiwöchigen Aufenthalt, entweder im September, Oktober oder März. Es gibt mittlerweile mehrere Reiseveranstalter und Hotelliers, die mit „nordlichtsicheren“ Unterkünften werben – zum Beispiel:

  • „Mountain Lodge“ und „Aurora Sky Station“ bei Abisko
  • „ICEHOTEL®“ in Jukkasjärvi bei Kiruna

Außerdem empfehlen Reiseführer folgende Orte:

  • Tornedalen mit den Dörfern Nikkaluokta und Vittangi
  • Porjus am See Stora Lulevatten
  • Berg Dundret bei Gällivare
  • Waldgebiet Brandö bei Luleå

Aber eine Garantie für das Naturspektakel bekommt man natürlich nicht! Das ist auch gut so, denn sonst würde es viel von seinem Flair verlieren. Generell kann man sagen: Je nördlicher des Polarkreises man sich befindet, umso größer die Wahrscheinlichkeit für Nordlichter. Beste Voraussetzungen herrschen in klaren, kalte Nächten zwischen September und April und von 6 Uhr abends bis 2 Uhr morgens.

Nördlicher Polarkreis bei Jokkmokk
Eine weitere Hinweistafel: Polarkreisüberquerung an der Inlandsbahn bei Jokkmokk

Meine eigene Polarkreisüberquerung
Auf einer Rundreise durch Skandinavien habe ich den Nördlichen Polarkreis zweimal überquert: Einmal in Norwegen, auf dem Flug von Oslo nach Bodö. Und rückwärts gen Süden mit der schwedischen Inlandsbahn, welche den „Arctic Circle“ südlich von Jokkmokk auf freier Strecke passiert. Die Bahn hält extra an, damit die Reisenden ein Foto von der Hinweistafel machen können. Oder von sich selbst, mit der Tafel im Hintergrund. Das ist nicht spektakulär, aber wie soll man sonst festhalten, dass man die magische Linie selbst schon einmal übertreten hat?

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Nördlicher Polarkreis - VerlaufKoordinaten: Breite 66˚ 33′ 46″ N. Region: Lappland. Entlang des Nördlichen Polarkreises gibt es in Schweden vor allem Berge, Wälder und Wildnis. Tausende Rentiere ziehen durch das Land, unterwegs auf ihren Sommer- oder Winterweiden. Zu den touristischen Hotspots zählen die Nationalparks Sarek, Padjelanta, Stora Sjöfallet und Muddus, dazu Abisko und Kungsleden sowie Kiruna mit dem Eishotel Jukkasjärvi.

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6 Kommentare

  1. Hej Hej,

    ein schöner Bericht. Ich war letztes Jahr auch in schwedisch Lappland. Eine wirklich schöne Gegend. Ich bin allerdings bis Kiruna geflogen und von dort mit Bus und Bahn weiter bis nach Kebnats/Saltoluokta. Dadurch musste ich einige lästige Wartezeiten in Kauf nehmen.

    Bei einer Anreise mit dem eigenen Fahrzeug ist man wesentlich flexibler. Dann muss man zwar Wanderungen und sonstige Aktivitäten so planen, dass man wieder beim Fahrzeug herauskommt, aber wenn man bedenkt, dass nach Saisonende viele öffentliche Verkehrsmittel nicht mehr fahren, ist eine Anreise mit dem Auto eine Überlegung wert. Hier gibt’s übrigens den Reisebericht zur Sarek-Tour: northbound-trekking.de/blog/category/reiseberichte/sarek-crossing-2014/

    Viele Grüße aus Dresden

    1. Hej Martin,
      ich stimme Dir zu. Von Kebnats kommt man auch nur mit der Fähre nach Saltoluokta. Und diese verkehrt meist nur zwischen 10 Uhr und 16 Uhr. Mit dem Auto ist man ungebundener. Andererseits kommt man bei mehrtägigen Touren auf den großen Wanderwegen wie Kungsleden usw. selten wieder an den Ausgangspunkt zurück.
      Blau-gelbe Grüße – S.

  2. Hallo lieber Sven G.
    Habe mit großem Interesse Deinen Bericht gelesen, ganz toll! Bin seit einiger Zeit am Planen einer Schweden – Rundfahrt. Was mich ebenfalls fasziniert ist die Mitternachtssonne. Nicht nur das Baden in der Region um Pitea (?), sondern auch um eben mal an den Polarkreis zu fahren.
    Wir kennen Schweden nur um Göteborg und die Insel Öland, also sind wir offen für gute Ratschläge, was den Nordfen betrifft. Moin aus Hamburg, Gerd Hübner

    1. Hej Gerd,

      Sven G. und seine Freunde haben mir nach der Rückkehr von ihrer Tour bei dem Fjällräven Classic sehr viel Bildmaterial aus der Region Lappland mitgebracht. Dieses habe ich im Blog jeweils gesondert gekennzeichnet. Meine nördlichste Schwedenreise führte mich bisher nach Funäsdalen und – auf ähnlicher Höhe – nach Vemdalen. Deshalb kann ich mich nicht als Experte für Nordschweden ausgeben. Ich bin aber jederzeit offen für Fragen und nutze meine Informationsquellen.

      Blau-gelbe Grüße – Schwedenurlauber

  3. Lieber Sven G.,

    vielen Dank für den interessanten Bericht! Wir waren dieses Jahr auch in Jokkmokk, haben mit der Inlandsbahn den nördlichen Polarkreis gekreuzt, eine tolle Gegend. Nicht ganz korrekt allerdings ist, dass Sie Polarkreis und Wendekreis gleichbedeutend verwenden.

    Viele Grüße
    Eckhard

    1. Hej Eckhard,

      vielen Dank für Deinen längeren Kommentar. Ich habe die wesentliche Botschaft stehen lassen und meinen Beitrag entsprechend korrigiert. Von der Sommersonnenwende bin ich zum Wendekreis gekommen. Die bildliche Vorstellung, dass die Sonne am 20./21. Juni 24 Stunden über dem Polarkreis steht, hat mich zu der Verwechslung geführt.

      Eine Frage an Dich: Wem würdest Du Inlandsbahn-Reisen empfehlen? Ist das auch etwas für junge Leute und Aktivurlauber? Oder eher eine Sache für Eisenbahnromantiker?

      Blau-gelbe Grüße – S.