Nordkalottleden – Anreise, Trekking-Etappen, Ski-Touren

Wegweiser am Nordkalottleden
Nordkalottleden ist im südlichen Abschnitt auch mit dem Kungsleden verbunden © Tobias V.

Zu den bekanntesten Trekkingrouten in Lappland gehört Nordkalottleden (auf Englisch: Arctic Trail). Seine südlichen Enden liegen in Kvikkjokk und Sulitjelma, sein nördliches Ende im norwegischen Kautokeino. Insgesamt erstreckt er sich über etwa 800 Kilometer durch die Bergwelt entlang der Ländergrenzen Schwedens, Norwegens und Finnlands – einer Region, die Nordkalott genannt wird. Das Wegterrain ist rau und die meisten Teilstücke führen durch eine menschenleere Vildmark. Nur etwa vierzig Berg- und Schutzhütten sind entlang der Route zu finden. Die Markierungen sind unterschiedlich: In Finnland gibt es ein gelb-orangefarbiges Zeichen auf kleinen weißen „Meilensteinen“. In Norwegen bemalt man Steinhaufen. In Schweden kannst Du den roten Kreuzschildern und den Wegweisern mit dem Namen „Nordkalottleden“ folgen. Zu den landschaftlichen Highlights entlang des Weges gehören:

  1. Pihtsusköngäs Wasserfall und Malla Naturreservat (Finnland)
  2. Reisa Nationalpark mit Wasserfällen, Øvre Didival Nationalpark, Sulitjelmafjäll (Norwegen)
  3. … sowie Abisko Nationalpark, Akkajaure, Padjelanta Nationalpark (Schweden)

Übrigens: Auch Treriksröset, das Dreiländereck von Schweden, Norwegen und Finnland, liegt am Nordkalottleden.

Nordkalottleden: Anreise & Zugänge

Zu dem schwedischen Startpunkt in Kvikkjokk gelangst Du über die Europastraße 45 (Inlandsvägen): Entweder aus Süden, bei Anreise mit dem eigenen Pkw, oder aus Norden, bei Anreise mit Mietwagen vom Flughafen Kiruna. Umweltfreundlicher geht es mit dem Nachtzug ab Stockholm Hauptbahnhof bis Boden. Von dort kannst Du mit der Buslinie 44 bis Jokkmokk fahren und in die Linie 94 nach Kvikkjokk umsteigen.

Das norwegische Sulitjelma ist über die Europastraße 6 erreichbar. Von der E6 fährt ein Bus ab Fauske nach Sulitjelma. Wenn Du über Bodø anreist, kannst Du von der Station „City Nord“ den Bus nach Fauske nehmen.

Der schnellste Weg nach Kautokeino ist die Straße nach Rovaniemi, das Du von Helsinki oder Stockholm aus anfliegen kannst. Alternativ empfiehlt sich die E45 von Kiruna aus. Eine weitere Option ist es, nach Alta zu fliegen, und von dort den Bus 202 nach Kautokeino zu nehmen. Die genauen Fahrzeiten der öffentlichen Verkehrsmittel solltest Du bei Deiner Reiseplanung recherchieren!

Neben den Start- und Endpunkten gibt es noch weitere Zugänge zum Nordkalottleden:

  • Kilpisjärvi an der Europastraße 8 von Haparanda nach Karesuando
  • Innset, südwestlich der Europastraße 6 von Fauske nach Narvik
  • Björkliden und Abisko an der Europastraße 10 von Kiruna nach Narvik
  • Nikkaluokta, südwestlich von Kiruna
  • Ritsem am Stora Sjöfallet Nationalpark, nordwestlich von Porjus

Von Kilpisjärvi gibt es noch die Möglichkeit, mit der M/S Malla nach Koltaluokta überzusetzen, um von dort aus am Treriksröset auf Nordkalottleden einzusteigen. Ansonsten führt der Weg quer durch die Hochgebirgslandschaft des Skanden.

Übernachten am Nordkalottleden

Nordkalottleden und lappländische Bergwelt
Nordkalottleden führt durch die schönsten Abschnitte der lappländischen Bergwelt © Sven G.

Das Jedermannsrecht in den skandinavischen Ländern erlaubt es Dir, Dein Zelt überall entlang des Weges aufzuschlagen, wo Du niemanden störst. Selbst auf Privatgrundstücken kannst Du prinzipiell eine Nacht bleiben, solange Du um Erlaubnis fragst und Abstand zu privaten Wohnhäusern und Gärten hältst. Eine zweite Ausnahme bilden Nationalparks und Reservate: Hier kann das Recht manchmal eingeschränkt sein, beispielsweise durch ausgewiesene Flächen zum Zelten und Feuer machen. Die Wirte der Fjällstationen geben Dir dazu gerne nähere Auskünfte. Apropos: In den Einrichtungen findest Du Schlafunterkünfte in Form von Schlafsälen respektive Mehrbettzimmern. Allerdings nicht ganzjährig! Die Betreiber halten die Fjällstationen sowohl im Frühjahr, als auch von Ende September bis zur Wintersaison im Februar geschlossen. Ergänzt wird das Angebot durch kleine Fjällstugas, die ebenfalls nicht alle ganzjährig zur Verfügung stehen. Hier gibt es noch einen Unterschied zu den einfachen Berg- bzw. Nothütten, welche in der Regel immer offenstehen, aber die Selbstversorgung mit Feuer und frischem Wasser voraussetzen. Unterhalten werden all diese Unterkünfte entweder vom Schwedischen Touristenverein (STF), vom Norwegischen Touristenverband, vom Norwegischen Staatsforst oder – auf dem Padjelantaleden – von samischen Kooperativen.

Trekking auf Nordkalottleden: geeignete Touren

Die große Entfernung zwischen Start- und Zielpunkt des Nordkalottledens legt eine Tour auf verschiedenen Teilstücken nahe. In seiner kompletten Länge kannst Du ihn nur innerhalb mehrerer Wochen abwandern – eine extreme Herausforderung, der sich höchstens Trekkingprofis stellen. Mit einer „normalen“ Urlaubszeit von 7 bis 14 Tagen lassen sich aus meiner Sicht folgende Touren verwirklichen:

  1. Abisko – Vaisaluokta (ca. 238 km)

Die Tour ist auf mindestens 12 Tage angelegt und führt Dich anfangs über den Kungsleden und später über norwegisches Gebiet. Schließlich gelangst Du zum Akkajaure und kannst von Vaisaluokta aus mit dem Boot nach Ritsem übersetzen. Im Juli und August wird die Überfahrt durchgängig bedient. Zu anderen Zeiten solltest Du sie vorbuchen.

  1. Vaisaluokta – Staloluokta – Kvikkjokk (ca. 140 km)

Die Tour ist auf mindestens 7 Tage angelegt. Von Ritsem aus setzt Du, wie oben beschrieben, mit dem Boot nach Vaisaluokta über und folgst Nordkalottleden, bis er mit dem Padjelantaleden identisch ist. In Staloluokta verlässt Du die reguläre Nordkalott-Route, um eine Abkürzung nach Kvikkjokk zu nehmen. Du sparst Dir den Bogen über Staddajåkkå, Pieskehaure und Vaimok.

  1. Kilpisjärvi – Björkliden (ca. 185 km)

Die Tour ist auf mindestens 9 Tage angelegt. Sie beginnt im finnischen Kilpisjärvi und führt an Treriksröset vorbei ins Gebirge. Ein großer Teil der Strecke liegt auf norwegischem Gebiet. Erst kurz vor Ende, zwischen der Lappjordhytta und Pålnostuga, erreichst Du Schweden. Björkliden ist ein touristisch geprägter Ort mit guter Verkehrsanbindung. Die anschließenden 11 km nach Abisko sind verzichtbar.

Einstieg zum Nordkalottleden: Abisko Fjällstation
Landschaft bei Abisko: Wälder, Flüsse und der stattliche Abiskojaure © Tobias V.

Für nähere Informationen zum Wegzustand, landschaftlichen Sehenswürdigkeiten und den Hütten, empfehle ich folgende Seiten:

Ski-Touren auf Nordkalottleden

Du bevorzugst Wintersport oder möchtest Lappland einfach mal in der kalten Jahreszeit erkunden? Dann bietet es sich an, eine Skiwanderung auf einem Abschnitt des Nordkalottleds zu unternehmen. Dafür eignen sich die Einstiege in Abisko (auf Kungsleden) sowie in Sulitjelma und Kvikkjokk. Die beste Zeit für Ski-Touren liegt zwischen März und Mai, wenn die schlimmsten Wetterextreme vorüber sind und die Helligkeit wieder zunimmt. Für Einsteiger empfiehlt sich eine geführte Tour. Erkundige Dich am besten bei der jeweiligen Fjällstation des STF nach entsprechenden Angeboten. Wenn Du in einer kleinen Gruppe oder auf eigene Faust losziehen möchtest, solltest Du bereits Erfahrung in unwegsamem Gelände haben und perfekt ausgerüstet sein. Der STF gibt allen Anfängern folgende Tipps mit auf den Weg:

  1. Das Wetter im Fjäll kann sich schnell ändern. Also informiere Dich vor Deiner Tour über die aktuelle Wettervorhersage.
  2. Vermeide es, zu schwer bepackt zu sein. Ein Rucksack mit einem Fassungsvermögen von 40 Litern reicht für die Tagestour aus.
  3. Kleide Dich nicht zu warm! Es ist besser, zu Beginn der Tour leicht zu frieren, weil Du sonst schnell ins Schwitzen gerätst und durchnässt. Behalte Dir die warme Jacke lieber als Reserve, für den Fall, dass es kälter wird. Eine atmungsaktive Windjacke mit Kapuze schützt gegen Sonne und Wind und lässt Dir genug Beweglichkeit. Ungefütterte Handschuhe sind besser geeignet als gefütterte.
  4. Deine Unterkleidung sollte aus Wolle oder synthetischen Materialien sein. Dann hält sie Dich warm und trocken, selbst wenn Du schwitzt. An den Füßen schützt Du Dich mit dünnen Socken aus Wolle oder synthetischen Materialien, über die Du Strümpfe aus Wolle ziehst. Achte darauf, dass die Skischuhe nicht zu eng sitzen, sonst riskierst Du, an den Füßen zu frieren.
  5. Benutze Sonnencreme und eine Sonnenbrille, auch bei wolkigem Himmel, denn der Schnee reflektiert das Sonnenlicht stärker als man annimmt.
  6. Sollte starker Wind aufkommen, ist es hilfreich, einen Windsack dabeizuhaben. Dieser ist zugleich ein einfacher Schutz vor Wind und Regen. Die meisten Fjällstationen leihen auch Klappspaten aus, mit denen Du Dir im Schnee einen Windschutz graben kannst. Geeignete Stellen findest Du im Tiefschnee.
  7. Um zu verhindern, dass Schnee in Deine Skischuhe hineingerät, kannst Du spezielle Schutzüberzüge (auf Schwedisch: grävpåsar) oder Gamaschen benutzen.
  8. Verlasse Dich nicht auf Dein Smartphone oder GPS-Gerät: Benutze Karte und Kompass, um Deine Tour zu planen und Dich während der Tour zu orientieren.
  9. Packe vorsichtshalber Verbandsmaterial, ein Sicherheitsseil mit Karabiner und Falldämpfer sowie Reparaturausrüstung ein. Informiere Dich über die Sicherheit im Fjäll auf Fjällsäkerhetsrådet.se.

Erfahrungen mit Nordkalottleden

Nordkalottleden: ErfahrungenUm den Beitrag inhaltlich abzurunden, habe ich mir einen Trekking-Experten gesucht, der Nordkalottleden kennt. Dabei bin ich auf Simon Michalowicz aufmerksam geworden. Der gebürtige Dortmunder ist erstmals 2013 auf dem Trail unterwegs gewesen und hat diese und weitere Erfahrungen in dem Buch „Norwegen der Länge nach“ sowie in seinem Blog aufgeschrieben.

    Schwedenurlauber: Simon, Du bist „Norge på langs“ (NPL) gewandert, das heißt einmal über die gesamte Bergkette von Norwegen – von Kap Lindesnes bis zum Nordkap. Das ergibt ungefähr 2.600 bis 2.800 km. Nordkalottleden ist kaum ein Viertel so lang. Hast Du ihn komplett in Deine Tour integriert oder bist Du nur einen Teil von ihm abgewandert?

Simon: Eher weniger, ich bin nur Teile des Nordkalottledens gewandert. Aber gerade im Norden waren es dann schon einige Teilstrecken, die deckungsgleich waren. Einige Schlenker habe ich allerdings ausgelassen, mir war es wichtiger voran zu kommen, als Nordkalottleden komplett zu folgen. Auch wenn es schwer fiel, denn da waren schon einige richtig schöne Abschnitte dabei, die ich später teilweise nachgeholt habe.

    S.: Wie würdest Du Nordkalottleden als Teilstück Deiner Tour charakterisieren? War er beispielsweise schwerer zu begehen als die Wanderwege in Südnorwegen? Oder eher leichter? Hat er Dich vor besondere Herausforderungen gestellt? Welche landschaftlichen Highlights sind in Erinnerung geblieben?

Simon: Nordkalottleden ist schon etwas rougher als zum Beispiel das populäre Rondane-Gebiet in Südnorwegen. Viel Felsen, Blockwerk und teils lange Distanzen zwischen den Hütten und Einkaufsmöglichkeiten machen Nordkalottleden schon etwas herausfordernder. Gerade die Nachversorgung mit Verpflegung ist schwierig, man nimmt teils Essen für mehr als eine Woche mit, bevor man wieder einkaufen kann. Ein besonderes Highlight war für mich der Abschnitt durch Øvre Dividalen – ein spektakuläres Wandergebiet, was alles bietet, was mein Skandinavienherz höher schlagen lässt!

    S.: Kennst Du das „Grüne Band“ Schwedens? Es bedeutet, dass man über 1.300 km durch das Skanden wandert – von Treriksröset bis Grövelsjön. Wäre das für Dich noch eine Herausforderung? Und warum hast Du Dich lieber für Norwegen respektive „Norge på langs“ entschieden?

Simon: Ich finde die Freiheit bei NPL einfach grandios und entsprechend würde ich NPL immer bevorzugen. Beim Grünen Band gibt es ja quasi nur eine vorgegebene Route und Zwischenpunkte, die man anlaufen muss. Bei NPL gibt es aber keinerlei Regeln, keine festen Start- und Endpunkte und auch keine Zwischenpunkte, die man anlaufen muss. NPL ist eher eine Idee, während das Grüne Band eine feste Tour ist.

    S.: Im Zusammenhang mit Weitwandern in Skandinavien wird immer viel von „Abenteuer“ gesprochen. Hand aufs Herz: Wie gefährlich ist es wirklich, insbesondere, wenn man allein unterwegs ist? Und welchen Gefahren setzt man sich aus?
Nordkalottleden: Ritsem
Nordkalottleden ist weitgehend unzugänglich und führt oft nur an kleinen Siedlungen vorbei – wie hier bei Ritsem

Simon: Na das kommt immer darauf an. Gerade alleine kann es sehr schnell gehen, dass man einfach umknickt oder stürzt und wenn man sich dann abseits populärer Wanderwege bewegt, kann es schnell gefährlich werden. Das man überall auch im Fjäll Handyempfang hat, ist ein gefährlicher Trugschluss. Und wenn man dann auch noch etwas abseits von markierten Wegen unterwegs ist, dann kann es durchaus sein, dass es schnell brenzlig werden kann, wenn es einen Unfall gibt. Ich kenne genügend Geschichten von Wanderern, die im Fjäll verloren gegangen und bis heute nicht gefunden worden sind. Daher trage ich immer einen GPS-Notfallsender mit mir. Das ist mir die persönliche Sicherheit einfach wert. Und natürlich achte ich auch auf eine den Verhältnissen und Jahreszeiten angepasste, zuverlässige Ausrüstung und halte mich an die norwegischen „Fjellvettreglene“ (auf Deutsch: Fjällverhaltensregeln).

    S.: Zum Schluss noch eine Frage, die mich persönlich umtreibt: Was unterscheidet das Fjällwandern vom Wandern in den Alpen? Als Laie denke ich, dass der Hauptunterschied darin besteht, dass es im Norden in erster Linie darum geht, Distanzen zu überwinden, und in den Alpen eher darum, Höhenmeter zu bewältigen. Würdest Du dem zustimmen oder übersehe ich etwas?

Simon: Das ist im Grunde auch so. Wobei sich die Höhenmeter oft über die Distanz ansammeln und nicht auf unendlich langen steilen Anstiegen. Was zudem ein großer Unterschied ist, dass kaum Wegbau betrieben wird. Wege sind oft nur die Strecke zwischen zwei Markierungen, was in felsigem Gelände schon recht spannend sein kann. Auf längeren Touren kommt dazu, dass man gerade im Norden nicht jeden Tag Essen nachkaufen kann, sprich man schleppt schon mal die komplette Verpflegung für eine Woche mit sich im Rucksack herum.

Vielen Dank an Simon Michalowicz, für seine Bereitschaft, seine Erfahrungen mit mir zu teilen! Falls Du Dich weiter belesen möchtest, empfehle ich Dir sein Buch „Norwegen der Länge nach“, das 2015 bei National Geographic erschienen ist. Weitere Erfahrungsberichte zum Nordkalottleden kursieren im Netz, beispielsweise von Bernhard und Thomas Hausmaninger zu ihrer Skiwanderung von Abisko nach Kilpisjärvi im Jahr 2013, sowie die Dokumentation von Maximilian Lange, der Nordkalottleden im Herbst 2017 komplett abgewandert ist. Gerne kannst Du hier unter dem Beitrag eigene Anmerkungen beisteuern. Ich würde mich freuen!

Nordkalottleden in Schweden – Übersichtskarte

Kartengestaltung: bogdanserban (Bild in Lizenz von bogdanserban – stock.adobe.com)

Nordkalottleden: Karte

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