Padjelantaleden: Wandern & Übernachten im Nationalpark

Padjelantaleden: Landschaft bei DuottarPadjelantaleden: Landschaft bei Duottar (Tuottarjaure)

(Bild in Lizenz von Kristyna – stock.adobe.com) Wer nicht gerade mehrere Wochen Urlaub hat und ein entsprechendes Durchhaltevermögen mitbringt, wird keinen der beiden großen Fernwanderwege in Nordschweden bewältigen: Sowohl Kungsleden, als auch Nordkalottleden sind dafür viel zu lang und werden daher meistens abschnittsweise bewandert. Mit Padjelantaleden steht eine reizvolle Alternative offen: Der Trail durch den gleichnamigen Nationalpark erstreckt sich „nur“ über 140 km und lässt sich von fortgeschrittenen Trekkern durchaus in einer Woche zu absolvieren. Der Einstieg ist vom Süden her in Kvikkjokk oder vom Norden her in Ritsem möglich.

Padjelantaleden: Anreise & Zugänge

Ritsem ist eine kleine Siedlung am Nationalpark Stora Sjöfallet und nur über eine Stichstraße von Porjus bzw. Gällivare aus zu erreichen. Die Fahrt dauert etwa zwei Autostunden. Alternativ kannst Du von Gällivare aus mit einem „Falcks“-Bus bis Ritsem gelangen. Informiere Dich sicherheitshalber vor Deiner Reise, ob die Linie während Deines Reisezeitraums verkehrt! Die Busse des Nahverkehrs halten nur am Abzweig nach Ritsem bei Porjus. Eine Zugverbindung gibt es in dieser Gegend nicht. Gällivare ist ein überschaubares Städtchen, aber es liegt an der Europastraße 45 (Inlandsvägen), sodass es von Östersund und der Bottnischen Küste gut zu erreichen ist. Weiter im Norden zweigt die E10 nach Kiruna ab, bei dem der nächstgelegene Flughafen liegt.

Der südliche Einstieg in Kvikkjokk ist identisch mit jenem des Nordkalottledens. Hierher gelangst Du über eine Stichstraße, die bei Jokkmokk von der E45 abzweigt. Die Fahrt von dort dauert etwa 1 1/2 Autostunden. Wenn Du ohne Auto anreisen möchtest, kannst Du mit dem Nachtzug ab Stockholm Centralstation bis Boden fahren. Von dort bringt Dich die Buslinie 44 zuerst bis Jokkmokk und die Linie 94 schließlich nach Kvikkjokk.

Zwei weitere Zugänge zum Padjelantaleden eröffnet Nordkalottleden am Akkajaure-See, als Alternative zu Ritsem, oder von Sulitjelma in Norwegen, als Alternative zu Kvikkjokk. Im Sommer kannst Du von Ritsem oder Kvikkjokk aus mit dem Hubschrauber nach Stáloluokta im Innern des Nationalparks anreisen. Da Padjelanta im Osten an den Nationalpark Sarek grenzt, ist er von anderen Wanderwegen oder gar Straßen komplett abgeschirmt. Das ist sicher ein Grund dafür, weshalb er viel seltener begangen wird als der benachbarte Kungsleden.

Nationalpark Padjelanta

Padjelantaleden: Nationalpark
Innerhalb des Nationalparks ist Padjelantaleden an vielen Stellen ein Panoramaweg (Bild in Lizenz von Kristyna – stock.adobe.com)

Padjelanta bedeutet in der Sprache der Samen „das höhere Land“. Ihr Wort dafür ist: Badjelánnda. Der gleichnamige Nationalpark wurde 1963 eingerichtet und ist mit einer Fläche von 1.984 km² der größte in Schweden. Zusammen mit dem Sarek, dem Stora Sjöfallet und dem Muddus-Nationalpark gehört er zum UNESCO-Welterbe Laponia. Ebenso wie Sarek ist Padjelanta nicht ans schwedische Straßennetz angebunden. Innerhalb des Padjelanta Nationalparks liegt übrigens Schwedens unzugänglichster Punkt – zwischen dem Berg Oarjep Rissávárre und dem See Rissávárre. Er ist ca. 46 km von den drei nächstgelegenen Straßen entfernt.

Als schützenswert erachtet der schwedische Staat im Padjelanta insbesondere die hoch gelegene, aber eher sanfte Gebirgslandschaft, in der es mit dem Saluhaure, dem Vastenjaure und dem Virihaure drei große natürliche Seen gibt. Diese ziehen seltene Vogelarten an, die in der baumlosen Heide ruumdum die Gewässer reichhaltige Nahrung finden. Hier gedeihen auch Gewächse, die es sonst nirgends in Schweden gibt. Typische Vertreter der hiesigen Fauna sind Rentiere, Polarfüchse, Lemminge, Schneehühner, Vielfraße und Steinadler. Die Samen der Region halten rund um ihre Sommersiedlungen (auf Schwedisch: sameviste) Stáloluokta und Árasluokta sowie östlich der großen Seen Rentiere.

Wandern auf Padjelantaleden

Eine weitere Besonderheit des Padjelantas besteht darin, dass mehrere Übernachtungshütten (auf Schwedisch: fjällstugor) nicht vom Schwedischen Touristenverein (STF), sondern von den ansässigen Samen betrieben werden. Das heißt, dass die Mitgliedschaft im STF hier zu keinen Vergünstigungen führt. Die Saison dauert von Ende Juni bis Anfang September. Davor und danach sind nur Noträume in den Fjällstugas geöffnet. Ähnlich wie auf den anderen Fernwanderwegen in Lappland ist es unterwegs kaum möglich, neuen Proviant zu erwerben. Du solltest also in Ritsem oder Kvikkjokk bereits bestens ausgestattet sein. Unterwegs kannst Du lediglich bei der Såmmarlappastuga und in der Stuga von Staloluokta Lebensmittel kaufen. Bei der Planung ist außerdem zu beachten, dass an beiden Enden des Padjelantaledens Boote eingesetzt werden, die die Verbindung zum Straßennetz herstellen:

  • Ritsem: „M/S Storlule“ fährt über den Akkajaure zur Anlegestelle Änonjálmme
  • Kvikkjokk: ein Boot fährt über das Flussdelta zur Anlegestelle Bobäcken

Die Boote verkehren nur in der Hauptsaison. Außerhalb der Saison musst Du daher Umwege einplanen. In Ritsem gibt es weitere Anbieter, sogar ein Hubschrauberflug über den See ist möglich. In Kvikkjokk kannst Du das Boot in der Saison auch per Telefon rufen, falls es nicht in Sicht ist.

Padjelantaleden ist für Sommerwanderer ausreichend markiert und auch von wenig Geübten zu bewältigen. Im Winter kann er mit Schneeschuhen oder Langlaufskiern bewandert werden. Allerdings muss man dann ohne Markierungen und die Bootstransfers auskommen. Die Fjällstugas sind unterschiedlich gut ausgestattet – Du solltest Dich so ausrüsten, dass Du notfalls auch ohne eine Übernachtung in ihren vier Wänden auskommst. Um Ostern gibt es eine kurze „Vorsaison“, in der Du auf einen Hüttenwart in Stáloluokta und anderen Stugas hoffen kannst. Danach wird es wieder ruhig, weil der Schnee auf einigen Wegabschnitten bis Juli liegen bleibt. In den Übergangsperioden vor und nach dem Winter ist das Bewandern nicht zu empfehlen, da die Überquerung der Flüsse gefährlich ist. Man weiß nicht genau, ob ihre Eisschichten halten.

Bei der Durchquerung des Nationalparks ist zu beachten, dass die Mitnahme von Hunden wegen der Rentierherden nicht erlaubt ist. Grillplätze gibt es keine. Das Zelten im Freien ist überall erlaubt, wo Flora und Fauna nicht gestört werden. Das schließt das Fällen von Bäumen oder Büschen zur Gewinnung von Feuerholz ein. Auch das Angeln in den Gewässern ist nicht gestattet.

Padjelantaleden: Hütten & Etappen

Die Abstände zwischen den Fjällstugas entsprechen in etwa Tageswanderungen. Von Norden nach Süden kannst Du Padjelantaleden in folgende Etappen unterteilen:

  1. Ritsem – Gisuris (14 km): nach der Bootsfahrt passierst Du das Bergmassiv Akka
  2. Gisuris – Låddejåhkkå (23 km): ab Gisuris folgt der Weg dem Verlauf des Flusses Vuojatädno
  3. Låddejåhkkå – Arasluokta (13 km): nach der Hängebrücke über den Fluss Låddejåhkkå folgt der Anstieg zum Pårka-Sattel
  4. Arasluokta – Stáloluokta (12 km): eine Panorama-Etappe mit Ausblick auf den Virijaure
  5. Stáloluokta – Duottarstugor (18 km): vom See aus steigt der Weg nun bis Duottar an
  6. Duottarstugor – Darreluoppalstugor (11 km): über Gebirgspfade geht es ins Tal des Darrejåhkå
  7. Darreluoppalstugor – Såmmarlappastuga (13 km): der Weg folgt dem Darrejåhkå und Tarraätno
  8. Såmmarlappastuga – Tarrekaisestuga (13 km): weiter geht es durchs Tarratal bis zum Tarraure-See
  9. Tarrekaisestuga – Njunjesstuga – Kvikkjokk (22 km): zum Schluss geht es durch niedrige Birkenwälder am Tarraätno entlang bis zu seinem Delta am Sakkat-See
Nordkalottleden: Ritsem
Ritsem ist der kleinere der beiden Ausgangspunkte des Padjelantaledens

Vor der Wanderung kannst Du in der Fjällstuga Ritsem übernachten, die vom STF betrieben wird. In Kvikkjokk wartet die ungleich größere STF Fjällstation mit Restaurant, Sauna und verschiedenen Ausleihmöglichkeiten für weitere Aktivitäten rund um den Ort.

Hier und da liest man von einem „Großen Padjelantaleden“. Dabei handelt es sich um eine inoffizielle Erweiterung der Route zwischen Stáloluokta und Kvikkjokk, bei der man einfach dem Nordkalottleden folgt – zunächst bis zur Pieskehaurestugan und dann über die Vaimokstuga und Kurajaure bis zur Tarrekaisestuga. Dort trifft man wieder auf den eigentlichen Padjelantaled.

Fazit: Padjelantaleden oder Kungsleden?
Eigentlich eignet sich Padjelantaleden sehr gut zur Vorbereitung oder Einstimmung auf eine längere Tour auf Kungsleden. Sein Terrain ist ähnlich, seine Höhenunterschiede fallen geringer aus und die Etappen können kürzer gehalten werden, weil es relativ viele Fjällstugas entlang der Route gibt. Allerdings ist Padjelantaleden etwas schwieriger zu erreichen und insgesamt weniger abwechslungsreich. Unterm Strich gibt es Abschnitte des Kungsledens, die reizvoller, allerdings auch stärker frequentiert sind.

Padjelantaleden – Übersichtskarte

Kartengestaltung: bogdanserban (Bild in Lizenz von bogdanserban – stock.adobe.com)

Padjelantaleden: Karte

Habe ich Dein Interesse für Padjelantaleden geweckt oder bist Du bereits auf dem Weg gewandert? – Gerne kannst Du ein paar Zeilen darüber schreiben. Nicht nur ich, sondern auch andere Leser interessieren sich dafür!

Tourenvorschlag von Komoot: Padjelantaleden

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